Premiere am 5. März 2016
Regie: Joshua Rösing
Kapitän Freytag: Ulrich Matthes
Dr. Caspary: Hans Löw
Fred: Timo Weisschnur
Eugen / Edgar: Božidar Kocevski
Es
gehört zur heutigen Berliner Theaterpraxis, mitunter auch Stücke mit mehr oder
weniger expliziten politischen Inhalten aufzuführen. Was die besondere Stellung
der Inszenierung „Das Feuerschiff“ nach der Erzählung von Siegfried Lenz des
Deutschen Theaters Berlin in diesem Kontext ausmacht, ist nicht nur der für
heute höchst relevante Konflikt zwischen bewaffneten und unbewaffneten
Menschen, sondern vor allem der Umfang der Diskussion überhaupt: das Theater
fungiert hier als ein Agent, der eine brennende Frage aus der Gesellschaft
übernimmt – die Frage nach dem Umgang mit Gewalt – seine Mittel zur Verfügung stellt
und den Zuschauern persönliche Einsichten zu politischen Themen ermöglicht. Die theatralen Zeichen
fungieren hier, in Abwesenheit von schlüssigen Äußerungen der Figuren und indem
sie keine eindeutige Botschaft darbieten, ausschließlich als Gedankenauslöser.
Dadurch wird die Antwort dem Zuschauer überlassen, entsteht in seinem Inneren
und gelangt durch ihn in die Gesellschaft zurück, wo die Frage überhaupt
entstanden ist.
Die Zusammenkunft dreier Aspekte des Menschenlebens in derselben Inszenierung – die Politik, das Theater und die Suche des Einzelnen nach Antworten – bildet eine solide Grundlage für einen Theaterabend voller gesellschaftlich relevanter Gedanken. Umso verwunderlicher ist es, dass nach der Premiere des „Feuerschiffs“ im März 2016 so gut wie keine solchen Gedanken schriftlich geliefert wurden. Insofern bietet die Inszenierung auch einen guten Anlass zum Nachdenken über die heikle Beziehung zwischen der Bühne und dem Publikum und über deren Ansprüche aneinander.
Die folgende Analyse konzentriert sich zum einen auf die Rezeption des Abends, zum anderen auf den inszenatorischen Aspekt der Aufführung, mit dem Zweck, eine Interpretation des Ganzen zu formulieren. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Szene, die in ihrer Mehrdeutigkeit am meisten von dem Rezipienten verlangt: das offene Ende. Anders als in der Erzählung von Siegfried Lenz bietet die Schlussszene in Josua Rösings Inszenierung keine expliziten Hinweise auf den Ausgang der Geschehnisse:
Die Zusammenkunft dreier Aspekte des Menschenlebens in derselben Inszenierung – die Politik, das Theater und die Suche des Einzelnen nach Antworten – bildet eine solide Grundlage für einen Theaterabend voller gesellschaftlich relevanter Gedanken. Umso verwunderlicher ist es, dass nach der Premiere des „Feuerschiffs“ im März 2016 so gut wie keine solchen Gedanken schriftlich geliefert wurden. Insofern bietet die Inszenierung auch einen guten Anlass zum Nachdenken über die heikle Beziehung zwischen der Bühne und dem Publikum und über deren Ansprüche aneinander.
Die folgende Analyse konzentriert sich zum einen auf die Rezeption des Abends, zum anderen auf den inszenatorischen Aspekt der Aufführung, mit dem Zweck, eine Interpretation des Ganzen zu formulieren. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Szene, die in ihrer Mehrdeutigkeit am meisten von dem Rezipienten verlangt: das offene Ende. Anders als in der Erzählung von Siegfried Lenz bietet die Schlussszene in Josua Rösings Inszenierung keine expliziten Hinweise auf den Ausgang der Geschehnisse: